Aus meiner Sicht
Fotografien spiegeln die Persönlichkeit des Autors wider. Jeder Mensch sieht in einer gewissen Situation etwas Anderes. Jeder schaut woanders hin. Und wenn ein Bild durch die Augen von zwei verschiedenen Menschen gesehen wird, dann wird es von jedem Gehirn anders verarbeitet. Für den Einen ist es eine Anregung, um es mit seiner Kamera einzufangen, während es beim Anderen eventuell gar kein Interesse erweckt. Dieses Anders‑Sehen, diese eigene Perspektive, ist was uns voneinander unterscheidet, ein Ausdruck des Ichs.
Manchmal entstehen die Bilder schon a priori, im Kopf. Dann muss man sie nur noch inszenieren und aufnehmen. Durch meine Fotografien, die selten gestellt sind, sondern oft spontan entstehen, möchte ich meine Sichtweise mit dem Betrachter teilen. Spontan heißt nicht, dass ich nur über die Situationen stolpere. Es heisst auch, auf das beste Licht zu warten und zu ahnen, wo und in welchem Moment sich etwas Interessantes ereignen wird. Es bedarf eines Geisteszustands, der uns ermöglicht, die überraschende Entdeckung zu machen, die das Glück und oft auch der Zufall für uns bereit hält. Dafür muss man mit ganz offenen Augen durch die Welt gehen. Diese erhöhte Aufmerksamkeit bleibt nicht beim Genuss des Schönen oder beim Schrecken vor dem Schlimmen stehen, sondern ich will diese Situationen dokumentieren und auf der Filmemulsion für die Ewigkeit einfangen. Das ist meine Aufgabe als unentwegt reisender Zeitzeuge. Dabei soll nicht nur das Dokumentarische im Vordergrund stehen.
Viel wichtiger ist es für mich, aussergewöhnliche Lichtsituationen, einen unwiederholbaren Augenblick, Auseinandersetzungen mit der sozialen Realität oder optische Illusionen festzuhalten. Das entstandene Bild soll den Betrachter zum genauen Anschauen und nicht nur zum Sehen verleiten. Und wenn es mir auch noch gelingt, ihn zum Nachdenken anzuregen, dann habe ich vielleicht mit diesem Bild sogar eine Geschichte erzählt.
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